Gebrauchtmaschinen kaufen: Checkliste in 10 Schritten
Zehn Schritte vor dem Kauf: So prüfen Sie Bedarf, Betriebsstunden, Wartung, Unterlagen und CE-Kennzeichnung und kaufen Gebrauchtmaschinen mit weniger Risiko.
Gebrauchtmaschinen kaufen heißt, zehn Punkte vor der Kaufentscheidung zu klären: Bedarf und Aufstellort, Baujahr und Betriebsstunden, Wartungsnachweise, Typenschild und Unterlagen, Konformität, Besichtigung mit Funktionstest, Steuerung und Ersatzteile sowie Zahlung, Demontage und Transport. Wer diese Punkte vor dem Kauf belegt bekommt, erkennt Risiken früh und kauft eine Maschine, die zur eigenen Fertigung passt.
MIKRON HSM 800 Universal-Bearbeitungszentrum aus dem aktuellen ReMach-Bestand.
Eine gebrauchte Maschine lohnt sich nur, wenn sie zu Ihrer Fertigung passt und ihr Zustand nachvollziehbar belegt ist. Die Checkliste folgt der Reihenfolge, in der Sie beim Kauf vorgehen: erst der Bedarf, dann Zustand, Unterlagen und Besichtigung, zuletzt die Abwicklung.
Schritt 1 und 2: Bedarf und Aufstellort klären
Welche Werkstücke und Toleranzen soll die Maschine bewältigen?
Legen Sie fest, welche Werkstücke in welcher Größe, aus welchem Material und mit welchen Toleranzen entstehen sollen. Daraus ergeben sich die Eckdaten: Verfahrwege in X, Y und Z, Spindeldrehzahl und -leistung, Tischgröße, Anzahl der Werkzeugplätze und die Steuerung. Wie weit diese Werte auseinanderliegen, zeigt der Bestand: Ein Bearbeitungszentrum wie die MIKRON HSM 800 verfährt 800 x 600 x 500 mm, eine Portalfräsmaschine wie die HEYLIGENSTAEDT Heynumill 3200-P 6.000 x 5.000 x 1.500 mm (Angaben laut Anzeige).
Passen Halle, Fundament und Stromanschluss?
Prüfen Sie Aufstellfläche, Hallenhöhe, Krantraglast und Tragfähigkeit des Hallenbodens. Das Gewicht entscheidet bei schweren Maschinen über Fundament und Transportweg: Die beiden genannten Maschinen wiegen laut Anzeige etwa 8.300 kg beziehungsweise 120.000 kg. Klären Sie außerdem Anschlusswert, Druckluft und die Entsorgung von Kühlschmierstoff und Spänen. Eine Übersicht nach Maschinengruppen finden Sie bei den Metallbearbeitungsmaschinen (Bearbeitungszentren, Fräs- und Drehmaschinen), den Holzbearbeitungsmaschinen und der Betriebsausstattung (zum Beispiel Krane, Stapler und Werkstatteinrichtung).
Schritt 3 und 4: Zustand beurteilen - Baujahr, Betriebsstunden und Wartung
Betriebsstunden richtig lesen
Eine einzelne Zahl sagt wenig. Anzeigen weisen teils Einschaltstunden (Maschine unter Spannung) und Spindelstunden (Spindel in Betrieb) getrennt aus, und beide Werte können weit auseinanderliegen. Fragen Sie deshalb, welche Stunden gemeint sind und wie sie erfasst wurden, etwa über den Zähler der Steuerung. Einen festen Richtwert gibt es nicht, denn er hängt vom Maschinentyp ab. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Laufzeit, Wartung und Belastung.
Welche Wartungsnachweise sollten Sie verlangen?
Verlangen Sie Unterlagen, aus denen sich die Geschichte der Maschine nachvollziehen lässt:
Wartungs- und Serviceberichte mit Datum: zeigen, ob Wartungsintervalle eingehalten wurden.
Liste getauschter Verschleißteile: zum Beispiel Spindel, Kugelgewindetriebe oder Führungen. Sie zeigt, welche Baugruppen bereits erneuert wurden.
Messprotokolle zur Maschinengenauigkeit: belegen Geometrie und Positioniergenauigkeit, vor allem nach einer Instandsetzung.
Angaben zu Kollisionen und Reparaturen: machen Vorschäden sichtbar, die von außen nicht zu erkennen sind.
Schritt 5 und 6: Dokumente und Konformität prüfen
Typenschild und Seriennummer abgleichen
Vergleichen Sie Hersteller, Typ, Baujahr und Seriennummer auf dem Typenschild mit Angebot, Anzeige und Unterlagen. Weichen die Angaben voneinander ab, klären Sie das vor der Bestellung. Zu den Unterlagen gehören Betriebsanleitung, Schaltpläne, Hydraulik- und Pneumatikpläne, Wartungsbuch und, falls vorhanden, die Konformitätserklärung. Fehlende Unterlagen sollten Sie vor dem Kauf benennen und klären, ob und wie sie beschafft werden können.

Was gilt bei Maschinen ohne CE-Kennzeichnung?
Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller die Konformität mit den geltenden EU-Vorschriften. Fehlt es, ist die Maschine nicht automatisch unbrauchbar. Nach dem LASI-Projektbericht von 2021 zu Maschinen ohne CE-Kennzeichnung kann die Arbeitsschutzbehörde vom Betreiber bei Maschinen, die nach dem 1. Januar 1995 in Verkehr gebracht wurden, nicht verlangen, das CE-Verfahren nachzuholen (LASI: Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik). Der Betreiber muss nach § 5 BetrSichV aber sicherstellen, dass die Maschine sicher verwendet werden kann. Das geschieht über eine Gefährdungsbeurteilung, in der Regel durch eine fachkundige Person, etwa auf Grundlage der DIN EN ISO 12100. Maßgeblich sind die Vorschriften des Landes, in dem die Maschine betrieben wird. Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Schritt 7: Besichtigung und Funktionstest
Kann die Maschine unter Strom besichtigt werden?
In den ReMach-Anzeigen ist angegeben, ob eine Maschine unter Strom steht. Ist das der Fall, lassen sich bei der Besichtigung Funktion und Zustand direkt prüfen. Fahren Sie alle Achsen in die Referenzposition und achten Sie auf diese Punkte:
Führungsbahnen und Kugelgewindetriebe: Riefen, Verschleißspuren oder spürbares Umkehrspiel deuten auf Abnutzung hin.
Spindel: Laufgeräusche, Temperaturanstieg im Betrieb und Rundlauf geben Hinweise auf den Zustand der Lager.
Hydraulik, Schmierung und Kühlmittel: Ölspuren und Leckagen weisen auf Dichtungsschäden oder Wartungsrückstand hin.
Steuerung: Die Alarmhistorie zeigt wiederkehrende Fehler, die sich in den Anzeigen nicht erkennen lassen.
Werkzeugwechsler: Ein Probewechsel macht Fehlfunktionen am Greifer oder Magazin sichtbar.
Genauigkeit: Eine Probebearbeitung oder ein Kreisformtest mit Ballbar zeigt, ob die Maschine die geforderten Toleranzen noch hält.
Besichtigung vor Ort oder per Video?
Ist die Anreise nicht möglich, bitten Sie um Videoaufnahmen von Referenzfahrt, Spindellauf und Werkzeugwechsel sowie um Nahaufnahmen von Typenschild und Steuerung. Eine unabhängige Inspektion vor Ort ersetzt die eigene Besichtigung, wenn der Prüfumfang vorher schriftlich festgelegt ist.
Schritt 8: Steuerung, Ersatzteile und Service
Die Steuerung bestimmt, wie gut sich eine Maschine bedienen und warten lässt. Im ReMach-Bestand finden sich zum Beispiel Heidenhain-Steuerungen der Typen TNC 430 und iTNC 530. Klären Sie für die konkrete Steuerungsgeneration, ob Ersatzteile, Service und Dokumentation verfügbar sind und ob Ihre Programmierer und Bediener mit ihr arbeiten können. Fragen Sie außerdem, welches Zubehör zum Lieferumfang gehört, etwa Spannmittel, Werkzeughalter oder Messtaster.
Schritt 9 und 10: Kaufabwicklung, Demontage und Transport
In den ReMach-Anzeigen sind Zahlungs- und Lieferbedingungen als eigene Angaben aufgeführt. Lesen Sie diese vor der Anfrage. Halten Sie schriftlich fest, wer Demontage, Verladung und Transport übernimmt, ab wann die Maschine abholbereit ist und wie Übergabe und Abnahme dokumentiert werden. Planen Sie Demontage, Verladung und Wiederaufbau als Projekt mit klaren Zuständigkeiten, bevor Sie zusagen.
So unterstützt ReMach beim Kauf
ReMach ist ein Marktplatz für gebrauchte Industriemaschinen. Auf Wunsch unterstützt das Team bei der Suche nach passenden Maschinen und organisiert Inspektionen. Nach der Kaufbestätigung erhalten Sie die Informationen zu Zahlung und nächsten Schritten wie Demontage, Verladung oder Abholung. Eine Übersicht finden Sie unter Dienstleistungen von ReMach.
Aktuell im Bestand
Drei Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich Maschinen und Angaben ausfallen:
MIKRON HSM 800 Universal-Bearbeitungszentrum: Baujahr 2007, Heidenhain iTNC 530, Verfahrwege 800 x 600 x 500 mm, mit Palettenwechsler, laut Anzeige ausgelegt für die HSC-Bearbeitung, unter anderem im Formenbau.
POS Posmill H800 U Universalfräsmaschine: Baujahr 2018, Heidenhain iTNC 530, Verfahrwege 670 x 820 x 600 mm, 5-Achs-Bearbeitung. Geeignet, wenn Werkstücke in einer Aufspannung von mehreren Seiten bearbeitet werden sollen.
HEYLIGENSTAEDT Heynumill 3200-P Portalfräsmaschine: Baujahr 1999, Heidenhain TNC 430, Verfahrwege 6.000 x 5.000 x 1.500 mm, Gewicht etwa 120.000 kg. Ausgelegt für große und schwere Werkstücke.
Häufige Fragen zum Kauf gebrauchter Maschinen
Wie viele Betriebsstunden sind bei einer Gebrauchtmaschine normal?
Einen allgemeingültigen Wert gibt es nicht, er hängt von Maschinentyp, Baugröße und Einsatz ab. Aussagekräftig wird die Zahl erst, wenn klar ist, ob Einschalt- oder Spindelstunden gemeint sind, und wenn Wartungsnachweise vorliegen. Eine Maschine mit vielen Stunden und lückenloser Instandhaltung kann besser dastehen als eine mit wenigen Stunden ohne Dokumentation.
Braucht eine gebrauchte Maschine eine CE-Kennzeichnung?
Maschinen, die in der EU in Verkehr gebracht werden, tragen in der Regel ein CE-Zeichen. Fehlt es bei einer älteren oder umgebauten Maschine, muss der Betreiber in Deutschland die sichere Verwendung selbst nachweisen, meist über eine Gefährdungsbeurteilung durch eine fachkundige Person. Maßgeblich sind die Vorschriften des Landes, in dem die Maschine betrieben wird.
Kann ich eine Maschine vor dem Kauf testen?
Das hängt von der Maschine ab. In den ReMach-Anzeigen ist angegeben, ob sie unter Strom steht. Dann ist vor dem Kauf eine Besichtigung mit Funktionstest möglich. Ist die Anreise nicht möglich, helfen Videos von Referenzfahrt, Spindellauf und Werkzeugwechsel oder eine organisierte Inspektion.
Wer organisiert Demontage und Transport?
Das regeln Käufer und Verkäufer im Einzelfall. Bei ReMach erhalten Sie nach der Kaufbestätigung die Informationen zu Zahlung und nächsten Schritten wie Demontage, Verladung oder Abholung, und das Team unterstützt auf Wunsch bei der Organisation. Legen Sie die Zuständigkeiten vor der Zusage schriftlich fest.
Nächster Schritt
Sie suchen eine bestimmte Maschine oder möchten Zustand und Unterlagen vor dem Kauf klären? Sehen Sie sich den aktuellen Maschinenbestand an oder sprechen Sie mit dem ReMach-Team über Inspektion und Kaufabwicklung. Telefon: +49 2196 7050573.